geändert am 21.09.2007 - Version Nr.: 1. 838

Internet-Zeitung www.buergerstimmen.de

Meldung gesetzt von ~ Dr. Dieter Porth --- ---

Themenlisten: ~ kritisieren ~ erzählen ~ Politik ~ Alltag ~ Wirtschaft ~ Göttinger Land ~ Göttingen ~ Hartz IV ~ Hartz IV Diskriminierung ~  

Volksheimstätte
Noch Genossenschaft oder schon Heuschrecke

15.09.2007 Eine ALG-II-Empfängerin wollte bei der Volksheimstätte einen Geschäftsanteil kaufen, um eventuell später eine Wohnung mieten zu können. Sie wurde darauf hingewiesen, dass sie für einen späteren Mietvertrag einen Bürgen beibringen müsse. Diese Forderung wird an andere Mieter nicht gestellt. Die anderen Mieter brauchen aber auch keine Kaution zu zahlen.
[Die Sozialkompetenz der Volksheimstätte liegt nach meinem Eindruck im unteren Bereich. Dr. Dieter Porth.]

Kommentar,Gedanken, Anmerkungen, ...

Redaktion buergerstimmen.de - Dr. Dieter Porth, Göttingen: Der politische Begriff "Heuschrecke" wurde von Herrn Müntefering in die politische Diskussion eingeführt und meint Großinvestoren, die ihre Investitionen lediglich an der Maximierung ihres Gewinnes ausrichten. Die soziale Kompetenz als Unternehmensziel hat in solchen Unternehmen eine eher zweitrangige Bedeutung. Genau in diese Kategorie passt nach meinem Eindruck die Göttinger Volksheimstätte. Auf ihrer Website wirbt die Volksheimstätte mit dem Hinweise "Kautionsfreie Wohnung". In der Realität soll ein ALG-II Empfänger statt einer Kaution einen Bürgen beibringen, was die allermeisten Interessenten mit ALG-II abschreckt, weil in dem Bekanntenkreis der ALG-II-Empfänger meist nur ALG-II-Empfänger sind. Die können meist keine Bürgschaft leisten bzw. einen Bürgen beibringen. Auch halte ich eine Bürgschaft im Vergleich zu einer Kaution für wesentlich schwieriger zu erlangen. Damit diskriminiert die Volksheimstätte arme Wohnungsinteressenten. Ich würde das Unternehmen daher eher im Bereich "Heuschrecke" einordnen.
Diskriminierung liegt dann vor, wenn Menschen wegen bestimmter persönlicher oder sozialer Merkmale einer Gruppe zugeordnet und benachteiligt werden. Bei der Volksheimstätte wird jeder ALG-II-Empfänger pauschal ersteinmal als kreditunwürdig angesehen, weshalb pauschal eine Bürgschaft verlangt wird. Wenn auch ein ALG-II-Empfänger, der seine Mieten beim bisherigen Vermieter immer ordentlich bezahlt hat, so behandelt wird, dann ist dies Geschäftsgebaren sozial-diskriminierend.
Ich halte nicht das Begehren der Volksheimstätte nach Absicherung der Mieten für prinzipiell problematisch. Nach meinem Eindruck, der auch durch die Zitate im Geschäftsbericht bestätig wird, verhält sich die Volksheimstätte grundsätzlich allen ALG-II-Empfängern gegenüber so. Ich halte diesen pauschalen Umgangsstil, der seitens der Volksheimstätte gegenüber von "allen" ALG-II-Empfängern angeschlagen wird, für diskriminierend. Ich halte auch die Diskrepanz zwischen der Ankündigung auf der Website und dem Verhalten in der Realität für heuchlerisch, denn von Armen wird in Form eine Bürgens ja sogar pauschal eine erschwerte Form der Kaution verlangt.
Die Sozialkompetenz der Volksheimstätte, wie sie vom Vorstand und von den Mitarbeitern gelebt wird, ist 5 (=mangelhaft). Aber dies ist nur meine persönliche Meinung. Dr. Dieter Porth

 
Emailnachricht: Kontaktlink zu Redaktion buergerstimmen.de [ Homepage ] (Dr. Dieter Porth)
 

Erlebnisbericht - Als Armer ist man bei der Göttinger Genossenschaft Volksheimstätte eG unerwünscht

Die ALG-II Empfängerin X. rief mich am Donnertag Nachmittag an und schilderte mir ihre Erfahrung mit der Volkheimstätte. in Göttingen (http://www.volksheimstaette.de/). Sie wollte sich einen Genossenschaftsanteil kaufen. Der Genossenschaftsanteil ist Voraussetzung für einen Mietvertrag. Sie führte bei der Volksheimstätte Göttingen ein Gespräch mit einer Sachbearbeiterin. Diese soll sie im Gespräch darauf hingewiesen haben, dass ein ALG II Empfänger bei der Volkheimstätte vorm Abschluss eines Mietvertrags einen Bürgen beibringen müsse. Wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt wären, bräuchte sie eigentlich auch nicht den Geschäftsanteil kaufen, weil der Geschäftsanteil ihr dann keinen Nützen bringen würde. Im Laufe des Gespräches kam auch der Freund von X ins Gespräch, der eine Arbeit hat. Beim Freund würde man die Bürgschaft nicht erheben. An dieser Stelle hat Frau X nach eigenen Aussagen das Gespräch unterbrochen und gemeint, dass sie gegen Abend mit ihrem Freund nochmals vorbeikäme.
Statt ihres Freundes kam ich an dieser Stelle ins Spiel. Ich wollte es nicht glauben. Als ging ich mit ihr als ihr Freund zur Volksheimstätte. Die Räume der Volkheimstätte waren geräumig und geschmackvoll eingerichtet. Insgesamt wirkte alles sehr geschmackvoll und modern. Ein Bereich für die Besucher war optisch mit Grünpflanzen abgegrenzt und mit einfachen Stühlen bestückt.
Nach einigen Minuten kam die Sachbearbeiterin. Sie erinnerte sich an den Wunsch von Frau "X", einen Geschäftsanteil kaufen zu wollen. Meine Freundin brachte zu diesem Zeitpunkt noch einmal das Thema "Bürgen" ins Gespräch. Die Sachbearbeiterin wiederholte Argumentation, die mir Frau X geschildert hat, vor meinen Ohren. Von einem ALG-II-Empfänger würde man natürlich zusätzlich einen Bürgen erwarten. Wenn sie den nicht hätte, würde der Mietvertrag nicht zustande kommen und damit wäre die Investition in den Genossenschaftsanteil eine sinnlose Investition. Bei einem Genossen, der eine Arbeit hat, würde man natürlich keinen Bürgen und auch keine Kaution erwarten.
Ich unterbrach an dieser Stelle das Gespräch mit den Worten: "Mehr wollte ich nicht hören." Die Sachbearbeiterin begründete nochmals diese Begehren mit schlechten Erfahrungen, die die Volksheimstätte mit einigen ALG-II-Empfängern gemacht hätte. Der Volksheimstätte bliebe damit nichts anderes übrig, als diese Zusatzforderungen zu stellen. Wenn eine Bürgschaft für die drei Monatsmieten nicht vorlägen, dann käme auch kein Mietvertrag zustande, selbst wenn der ALG-II-Empfänger einen Geschäftsanteil der Genossenschaft erworben hätte und die Wartezeiten erfüllen würde. An dieser Stelle verließen Frau X und ich die Büroräume Volksheimstätte.
Am nächsten Tag telefonierte ich mit dem Vorstand der Volksheimstätte, mit Herrn Edgar Albrecht. Er wiederholte im wesentlichen die Argumentation seiner Sachbearbeiterin. Man hätte schlechte Erfahrungen mit ALG-II-Empfängern gemacht. Entsprechend sähe er nichts Falsches an dem Handeln seiner Mitarbeiterin. Schließlich müsse sich die Volksheimstätte gegen Verluste schützen. Zu einer tiefergehenden Diskussion kam es nicht.

Zwei Auszüge aus dem Geschäftsbericht 2006 der Volksheimstätte e.G. - S.15.,
==================================
"...
Wohnungsförderung künftig Ländersache
Im Zuge der Föderalismusreform wird ab 1.1.2007 der Bereich der Wohnraumförderung auf die Länder übertragen und damit die bislang seit Kriegsende bestehende Mischfinanzierung von Bund und Ländern hinsichtlich der Bereitstellung von Wohnungsbaufördermitteln aufgegeben. Die Wohnungswirtschaft begrüßt grundsätzlich ein eigenständiges Wohnraumförderungsgesetz, weil es den Stellenwert des Wohnens politisch unterstreicht. Das dringende Anliegen der regionalen Wohnungsunternehmen ist es,, die Wiederholung und Festschreibung überholter Förderbestimmungen und -beschränkungen bei der Wohnungsvermietung zu erschweren. Zu geringe Einkommensgrenzen, insbesondere bei den 1- und 2-Personenhaushalten erschweren nach wie vor die Vermietung geförderten Wohnungsbaus.  Kommentarpiktogramm   Die ohnehin begrenzten Mittel von rd. 40. Mio. Euro, sollten so eingesetzt werden, dass sie notwendige städtebaulichen Entwicklungen fördern und die Sozialstrukturen in den Ballungsgebieten verbessern. ...."
Der zitierte Ausschnitt beschreibt die politische Einschätzung des Vorstandes zur Wohnungsmarktpolitik. Der Hervorhebung im Absatz wurde von der Redaktion vorgenommen.
Auf Seite 22 oben wird im Kapitel Vermietungssituation des Geschäftsberichts die Vermietungspolitik von der Volksheimstätte beschrieben.
"...
Die Feststellungen aus dem Vorbericht, dass sich die Einkommensverhältnisse verschlechtert vieler Wohnungsnachfrager verschlechtern, haben sich im ablaufenden Geschäftsjahr erhärtet. Der Anteil der Wohnungsinteressenten ohne eigenes Arbeitseinkommen nimmt zu. Belegungsbindungen erschweren darüber hinaus die Vermietung, da der berechtigte Personenkreis entweder nicht in ausreichenden Maße vorhanden ist oder sich selbst im frei finanzierten Wohnungsmarkt versorgt, da hier zum Teil Mieten niedriger sind. Im Ansteigen begriffen sind auch die Bewerber, die wir mit Rücksicht auf fehlende Sicherheiten oder Auffälligkeiten im Sozialverhalten ablehnen müssen.  Kommentarpiktogramm  
..."
Volkheimstätte ©2007 (www/)
Pressefoto: Volkheimstätte , 2007 © In der Mitte heißt es: "• Keine Maklercourtage oder Kaution". Faktisch besteht zwischen einer Kaution und einer Bürgschaft kaum ein Unterschied. Eine Bürgschaft ist im Vergleich zur Mietkaution meist schwieriger zu erbringen. (Screenshot von http://www.volksheimstaette.de/con/cms/front_content.php?idcat=9)
In der Mitte heißt es: "• Keine Maklercourtage oder Kaution". Faktisch besteht zwischen einer Kaution und einer Bürgschaft kaum ein Unterschied. Eine Bürgschaft ist im Vergleich zur Mietkaution meist schwieriger zu erbringen.
(Screenshot von http://www.volksheimstaette.de/con/cms/front_content.php?idcat=9)

Leserbriefe / Kommentare zur Meldung

Die Leserbriefe werden ohne vorherige Kontrolle der Redaktion hier in der Internet-Zeitung veröffentlicht. Die Leserbriefe werden zwar nachträglich geprüft, aber in der Hektik des Tagesgeschäfts kann die Eine oder Ander rassistische, sexistische, diffamierenden und andere Würde-verletzende Äußerung übersehen werden. Wenn Sie solche Inhalte entdecken, dann schreiben Sie bitte an die Redaktion der buergerstimmen.de einen Brief oder eine Email. Nach erneuter Prüfung der Inhalte werden die nötigen Maßnahmen durchgeführt.
=====================

    Ticker und Querverweise

    Ticker
    Altes

    Deutsch
    Kultusminister ist mit Ergebnissen des Deutschtests zufrieden

    19.09.2007 Der Kultusminister betont, dass die Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen wie auch zwischen deutschen und ausländischen Kindern im Vergleich zum letzten Jahr sich verkleinert haben. Ungefähr zwei Drittel der Drittklässler erreichten gute oder sehrgute Ergebnisse beim Lesen und Schreiben.

    Jahrebericht
    Unabhängige Beratung unerwünscht?

    06.09.2007 Die Verbraucherzentrale in Niedersachsen hat ihren Bericht für das Jahr 2006 herausgegeben. Die institutionelle Förderung vom Land Niedersachasen ist unter der CDU-Regierung von 1,6 M€ im Jahre 2003 auf 1,0 M€ im Jahre 2006 gesenkt worden. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach den Dienstleistungen der Verbraucherzentralen gestiegen, wie zum Beispiel Beratungen zur Altersvorsorge oder zur Gesundheitsreform
    [Die Beratung betrifft auch die Umsetzung öffentlicher Reformen.. Dr. Dieter Porth]

    Stadtaufträge
    Zwei Aufträge in drei Wochen vergeben

    15.09.2007 Ein Auftrag ist auf dem alten Hausmüllhaldengellände in Meensen durchzuführen, während der andere Auftrag der Ersatz der kleinen Behelfsbrücke über die Lutter gegenüber vom Weender Krankenhaus betrifft.

    Bauernfänger
    Umfrage zu Bauernfänger-Rechnungen

    12.09.2007 Das Internet ist ein junges Medium, in welchem sich auch viele Bauernfänger tummeln, die die Unerfahrenheit der Nutzer zum Betrug nutzen. Eine typische Masche ist das Verschicken von Rechnungen für vermeintliche Verträge. Jeder der Erfahrungen mit "Internet-Rechnungen ohne Leistung" gemacht hat, sollte an der Umfrage der Verbraucherzentrale teilzunehmen.

    Musa
    Theater, Jazz, Konzerte und mehr

    06.09.2007 Neben dem Yardbirds am 3. Oktober gibt es eine Reihe von Konzerten und Veranstaltungen , die den Besuch lohnen. Konzentrierten Musa-Konzertgenuss gibt es in der Woche ab dem 22. Oktober:
    - Karaoke: 11.10.
    - Kindertheater: 22.10.
    - Konzerte 3.10. / 11.10. / 13.10. / 22.10. / 25.10. / 26.10. / 27.10.
    - Showtanz+Musik: 28.10.

    Termine
    Denkbar im Apex: Populäres aus der Gehirnwissenschaft

    15.09.2007 Neben der neuen Ausstellung zum Thea Zeitläufe & Weihnachtsgeschenke ab dem 17. Oktober prägen verschiedene Veranstaltungen das Programm des Apex
    - Jazz: 11.10. / 25.10. / 28.10.
    - Konzerte: 10.10. / 17.10.
    - Kabarett: 5.10. / 6.10. / 13.10. / 20.10. / 21.10. / 26.10.
    - Vortrag, Theater: 7.10. / 23,10.
    - Shopping-Musik: 6.10./ 13.10.

    Neues

    Online-Petition
    Forderung zur Erhöhung des Regelsatzes für Kinder

    13.09.2007 Der Regelsatz des Hartz-IV-Geldes denkt bestenfalls die Überlebenskosten, wie die immer länger werdenden Schlangen vor den Filialen der Göttinger Tafel zeigen. Mit eine Online-Petition soll die Erhöhung des Regelsatzes für Kinder bewirkt werden.
    [Sind die Eltern arm oder verhindert die Politik die Vollbeschäftigung? Dr. Dieter Porth]

    Stadtbibliothek
    Mondschein-Ausleihe und neue DVD-Filme

    10.09.2007 Die Stadtbibliothek bietet zu geringen Preisen eine Vielfalt von Informationen und Medien. Die Internetkurse finden zu verschiedenen Terminen zwischen dem 8.-19. Oktober statt. Zum Moonlight-Shopping am 19. Oktober bietet die Stadtbibliothek den Service der Mondscheinausleihe an.

    Festival
    Fire&Flame-Festival rockt das Junge Theater

    12.09.2007 Bei dem Fire&Flames-Festibval treten verschiedene Gruppen aus dem Bereich Ska, Punk und Independent-Rock auf. Dabei kommen die Gruppen aus verschiedenen Ländern. Die Veranstalter verstehen das Festival auch als politischen Protest gegen die Beschneidung der linken selbstverwalteten Kulturszene.

    Atomenergie
    Grüne weisen auf begrenzte Uranvorkommen hin

    11.09.2007 Der franzözische Präsident Sarkozy wirbt für den Bau eines Atomkraftwerks in Libyen. Da der Export von Atomtechnik in Spannungsgebiete wie Libyen untersagt ist, müsste die Bundesregierung eine Ausnahmegenehmigung erteilen. Die Grünen schlagen an dieser Stelle vor, dass sich Siemens von seiner Atomtechniksparte trennen und den Verkaufserlös in alternative Energietechniken investieren sollte. Da die Uranpreise wie die Preise für alle Energieträger explodieren, bietet aus Sicht der Grünen die Atomkraft keine Zukunft.

    Wahltalk
    Wolfgang Jüttner im Talk beim Stadtradio Göttingen

    18.09.2007 Der Spitzenkandidat besucht anlässlich der Elch-Verleihung Göttingen. Vor der Verleihung besucht er noch das Stadtradio Göttingen und wird in der Sendung "Bürgerstimmen im Göttinger Land" einwenig über sich selbst und zur Politik der Landes-SPD erzählen.
    [Nachtrag:
    21.09.2007Termin fällt wegen Erkrankung von Herrn Jüttner aus.]

"Broken-Links" - Legende - Home - Impressum - Em@il - Kontakt - A-A-A Schriftgröße - Über - Disclaimer - Werbung ---