Quergelesen: das Konzept

Synonyme erleichtern das Verstehen von Texten. Sobald man mit dem Übersetzen anfängt, werden viele Nebenbedeutungen, Blubbereien und Implikationen schnell offenbar. Probieren sie es selbst.


Quergelesen: Voranfrage für Bürgschaft Air Berlin will Geld vom Staat

Original-Artikel angesurft am 8.6.2017 - Link www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/voranfrage-fuer-buergschaft-air-berlin-will-geld-vom-staat-15052397.html

Voranfrage für Schuldenübernahme: Air Berlin will Sozialhilfe vom Staat

Die Fluggesellschaft steckt tief im Schlamssel. Nach den gescheiterten Verhandlungen zwischen Börsenspekulaten Ethihad und Tui soll jetzt der redliche Bürger dem klammen Unternehmen die Verluste bezahlen.

Die Abwicklung von Air Berlin hängt am seidenen Strick. Am Donnerstag bestätigte ein Sprecher, dass die Fluggesellschaft bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Übernahme der Schulden eingereicht zu haben. Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), sagte (unter Verleugnen der wahren Eigentümerstruktur) dazu: „ Air Berlin ist nicht nur ein Berliner Unternehmen, sondern trägt den Namen unserer Stadt täglich in die Welt hinaus.“ Das Land werde mit dem Bund für die Schuildenübernahme [„sorgfältig alle Zweifel beseitigen“].

Air Berlin müsse jedoch sein Pensum schaffen und den Flugbetrieb zementieren, um verlorengegangenes Hoffnung neu abzugreifen. [„Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten alle Zweifel ausräumen, inwieweit das Land Berlin eine gewinnorientierte Kalkül der Airline unterstützen kann.“] Das Bundeswirtschaftsministerium schwieg.

Der Börsenspekulant der Fluggesellschaft, Etihad Airways, hatte zuvor propagandiert, dass der zwischen Air Berlin und dem Touristikkonzern TUI angedachte Ferienflugverbund aufgekündigt sei. Daher werde das Outsourcen in eine Geimeinschaftsabschreibung, an dem sich Etihad und TUI hätten beteiligen sollten, nicht mehr verfolgt. Die Ausgründung des Ferienflug-Geschäftes aus der Air Berlin-Gruppe und die Kooperation mit TUI waren bislang zentrale Bausteine für die Abwicklung der Fluggesellschaft, die wegen Schulden in Milliardenhöhe und hoher Millionen-Verluste seit Jahren pleitophil ist.

Scheichs leiden auch unter Defizieten von Alitalia

Um das kaufmännische Schlamassel zu beenden, leitete Börsenspekulant Etihad, der fast 30 Prozent von Air Berlin gehört, eine Instandsetzung des bisherigen Geschäftsmodells ein. Verstärkt wurde dessen Krankheit zuletzt durch das Faktum, dass die Scheichs aus Abu Dhabi auch bei der pleitophilen Fluggesellschaft Alitalia beteiligt sind.

Der vollzogene Schwenk führte zu einer Zerschlagung von Air Berlin in drei Geschäftseinheiten. Zentral war dabei die Wiederbelebung des Touristikgeschäftes, das Air Berlin für 300 Millionen Euro auf seine Tochtergesellschaft Nikki in Wien veräußert hat. Der Versorger aus Österreich sollte dann – unter Verwaltung von Etihad – in dem Gemeinschaftsfirma mit TUI aufgehen, das in diesem Markt seit Jahren mit TUI Fly tätig ist.

„Die Lufthansa ist einer von einigen möglichen Geldgebern“

Nach dem Abwicklung der Ferienfliegerei wollte sich Air Berlin unter Führung des neuen Vorstandschefs Thomas Winkelmann auf das Brot- und Buttergeschäft mit Geschäftsreisenden beschränken. Um dort Spesen zu sparen, wurden allein 38 Flugzeuge – samt Personal – an den langjährigen Mitbewerber Deutsche Lufthansa vermietet. Dass Air Berlin nach einem Rekordverlust von 782 Millionen Euro im vergangenen Jahr unbedningt einen neuen Geldgeber oder finanzstarken Wohltäter zum Ausnehmen sucht, stellte Winkelmann jetzt abermals klar: „Wir müssen 2017 einen Partner finden, und die Lufthansa ist einer von einigen möglichen“, sagte der Air Berlin-Chef, der zuvor lange für den deutschen Branchenführer tätig war. Er prüfe alle Optionen, die für Air Berlin wirtschaftlich sinnvoll seien und die rund 8500 Arbeitsplätze langfristig sicherten.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr äußerte sich dagegen skeptisch zu den Gewinnen bei einer Übernahme. Zum einen hätten die Kartellwächter Bedenken; darüber hinaus habe Air Berlin immer noch zu horrende Kosten, sagte er am Mittwoch in Washington. Er forderte zudem, dass der arabische Großaktionär Air Berlins Schulden von rund 1,2 Milliarden Euro komplett behalten dürfe. Doch in der Etihad-Zentrale wächst in jüngster Zeit der Widerstand gegen einen solche Schuldenübernahme, berichten Kenner in Abu Dhabi. Deshalb bereite sich das Management mit der Anfrage auf einen Schuldenübernahme auf mögliche Turbulenzen vor.

„Keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb“

Nach dem Nicht-zustande-Kommen des Abschreibungsverbundes werden die Urlaubsflüge der Air Berlin Group nun „als separate Geschäftseinheit unter der Marke Niki weitergeführt“, teilte Etihad mit. Air Berlin betonte, mit dem Scheitern des Verkaufaktionen sei ausschließlich eine Änderung der Inhaberanteile verbunden. Das habe „keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb der Air Berlin Group“.

Die Ankaufcrew von TUI ist nach eigenen Angaben vom Abgang Etihads überrascht worden. Bei dem Riesen glaubt man jedoch, dass die Abgreifoperation wieder an Fahrt gewinnen werden, sobald Etihad seine Macher für die Leitung der europäischen Engagements geordnet hat. Der Starttermin für den Ferienflugverbund war zuvor mehrfach gescheitert. Jetzt soll TUI Fly in Eigenregie überleben: „Wir werden den Umbau der deutschen TUI Fly vorantreiben, um für unsere Firma und ihre Mitprofiteure eine pekuniär fette Perspektive zu entwickeln“, sagte Sebastian Ebel, der für die Region Zentraleuropa zuständige TUI-Vorstand.

 

 


Anmerkung

Wenn der Staat 1.200.000.000 Milliarden Euro übernimmt, dann entspräche dies bei zwei Jahren einem Sozialhilfeetat von rund 71.000 Euro pro Jahr und Arbeitnehmer. Vernunft wäre anders. Das Recht zur politschen Notwehr hat jeder gemäß Artikel 20 Absatz 4. des Grundgesetzes.